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Herkunft des Begriffs « Wodu »

Das Entstehen unterschiedlicher Schreibweisen – Vodou, Vaudou, Vodoun, Voudou, und Voodoo – erklärt sich wahrscheinlich aus der mangelhaften Aussprache und fehlerhaften Schreibweise der Kolonialherren.  Der ursprüngliche Begriff ist « Vodoun » und bedeutet in der Fon-Sprache « was nicht erklärt werden kann, die wirkende Kraft », also das Unsichtbare.

Das religiöse Gebäude des Wodu wird getragen von dem Glauben an eine Welt, die das menschliche Fassungsvermögen übersteigt. In dieser namenlosen Welt zeichnet sich ein alles beherrschendes Doppelwesen ab – Mawu/Lisa -, das sich in unerreichbarer Ferne aufhält. Bezeichnenderweise ist es vor allem der weibliche, also der fruchtbare Teil, Mawu, über den berichtet wird, und nicht so sehr der männliche Teil, Lisa. Dieses Prinzip eines höheren Wesens lässt sich auch nicht ohne Weiteres mit einem Weltschöpfer nach westlichem Verständnis vergleichen. In den Legenden sind Mawu und Lisa lediglich die Eltern der ersten « Vodoun », der Gottheiten, welche die Elemente beherrschen und für  das Funktionieren des Geistes Sorge tragen. Ihre Rolle scheint auf diese Funktion beschränkt zu sein; mit der komplexen Frage der Schöpfung befasst sich die Wodu-Theologie nicht. Überhaupt scheint die Götterwelt in eine Vielzahl von Zuständigkeiten aufgespalten zu sein. In der Tat gibt es neben Mawu/Lisa noch Fa, das Wort und der Sinn, und Gbadu, das absolute Wissen. Diese beiden Wesen, die eigentlich aus Mawu und Lisa hervorgegangen sind, werden in einigen Legenden als deren Vorfahren, ja sogar als deren Erzeuger angesehen. Dieser Widerspruch erklärt sich aus der Tatsache, dass Fa aus einer anderen Philosophie stammt und als Gottheit in die Wodu-Religion übernommen worden ist. (Auszug aus dem Buch La Fabrique de Dieux von René de Beaumont, demnächst im Handel.)